Clipper Round the World Race 2027/2028 Mein Jahr raus aus der Komfortzone
Es gibt Entscheidungen, die fühlen sich im ersten Moment verrückt an. Rund 6 Monate nach den ersten beiden Trainings denke ich immer noch hin und wieder "verrückt", fast immer aber denke ich "genau richtig" und der richtige Zeitpunkt für mein bisher grösstes Abenteuer sowie seglerische wie sportliche Herausforderung. Als Hobby-Triathlet und Ultradistanz-Rennradfahrer habe ich schon einige "verrückte" Rennen gemacht, nichts wird jedoch mit dem kommenden Rennen vergleichbar sein.

Im September 2027 verlasse ich meine Ayoka in der Karibik für fast ein Jahr.
- Keine Sorge, die Ayoka wird weiter von Birgit betreut, gewartet und auf Törns gesegelt, auch wenn ich weit weg bin. -
Nicht für eine Pause sondern für die Teilnahme am "Clipper Round the World Race" 2027/2028 als Crew-Mitglied. Von September 2027 bis Juli 2028 tausche ich die lieb gewonnenen und vertrauten Buchten, warme Passatwinde und den Rhythmus des karibischen Lebens gegen Kälte, Hitze, Schlafmangel, Wacheinteilungen, Manöver unter Druck und die fordernde Welt der Hochsee-Regatta.
Nix mehr mit entspanntem Cruisen und abhängen in Buchten und Bars, oder Lobster, frisch von Desperado am Strand von Petit Rameau zubereitet. Dafür gibt es eine 60 cm breite Pritsche ohne Privatspähre und Dinner aus dem grossen Topf. Bin ich vielleicht doch etwas verrückt???

Wie auch immer... Die Vorbereitung hat begonnen und dieTraining-Level 1 und 2 sind bereits absolviert.
Innere Stimmen und die Fragen nach dem Warum
Seit mittlerweile 16 Jahren besegel ich mit der Ayoka die kleinen Antillen. Damals hat mir meine innere Stimme gesagt: "Das ist Deins, kauf Dir ein Boot und lerne Segeln!" Tatsächlich habe ich es genau in dieser Reihenfolge gemacht. Ob das der richtige Weg ist darf der geneigte Leser für sich selbst entscheiden.
Das gemütliche, entspannte Segeln zur nächsten Bucht und ein herrliches kaltes Anker-bierchen zum Sonnenuntergang hat schon etwas. Wer einmal länger dort unterwegs war, weiss wie stark diese Region und der Flair der Menschen einen prägt. Ich habe meine damalige Entscheidung nie bereut.
Seglerisch lockt mich seit einiger Zeit jedoch noch etwas anderes - die innere Stimme hat wieder zugeschlagen und keinen Widerspruch geduldet... Das "Warum" hatte irgenwie nie eine Chance...
Die andere Form des Segelns
Beim Clipper Race sind die Boote identisch, die Crews dafür um so bunter gemischt. Die Bedingungen ändern sich laufend und die Regatta stoppt nicht, nur weil ich müde bin, durchnässt, mir kalt ist oder ich gerade körperlich oder mental durchhänge. Es ist weder Platz noch Zeit für Komfort. Schade eigentlich, aber dann wäre es wohl auch keine Regatta um die Welt;-)

Was das Clipper Race für mich so besonders macht
Das Clipper Round the World Race ist eines der härtesten Rennen um die Welt, für die man kein professioneller Segler sein muss. Mich reizt diese Kombination aus Segeln, Lernen und Belastung.
10 identische Regattaboote
72 Fuss Länge
rund 20 Crewmitglieder pro Boot
11 Monate unterwegs
rund 47.000 Seemeilen (76.000 KM)
8 Hochsee-Etappen und 14 Häfen rund um die Welt
Nord-/Südatlantik, Indischer Ozean, Pazifik, Panamakanal, Nordatlantik
Kalororienverbrauch pro Tag: 4.000-5.000
Wetterfenster, Kursentscheidungen, Segelwechsel und Wacheinteilungen, Reparaturen und der Umgang mit unvorhergesehenen Situationen werden meinen Alltag bestimmen.

Meine Vorbereitung hat im April begonnen
Die ersten Trainings sind gemacht: Training-Level 1 und 2 sind absolviert, Level 3 und 4 folgen im Mai und Juni 2027.
Da ich bisher noch keine Berührungspunkte mit Regatta Booten hatte, waren die erste Tage für mich seglerisch doch sehr ernüchternd hinsichtlich meiner Fähigkeiten. Meine Ayoka hat seglerisch mit einer Hochsee Regatta-Yacht soviel gemeinsam wie ein Mittelklasseauto mit einem Formel 1 Rennwagen. Ähnlich verhielt es sich mit meinen Fähigkeiten. Es gibt 13 Winschen inkl. "Grinder" statt 4 auf der Ayoka und unzählige Leinen. Manöver sind ungleich aufwändiger und komplizierter und nur als Crew durchführbar.
Zu den Themen, die in unserer Vorbereitung eine zentrale Rolle spielen, gehören:
Sicherheit an Bord
Wacheinteilung und Leben im Rhythmus der Wachen und Aufgaben
Manöver-Handling
Kommunikation bei Wind und Lärm
Verhalten bei Müdigkeit und nassen Bedingungen und hohen Seegang
Umgang mit persönlichem Material auf engem Raum
Teamarbeit mit Menschen, die man vorher kaum kennt
Immerhin, das ist fast so wie beim Cruisen, ausser der Wacheinteilung und hoher Seegang mit Müdigkeit, das lassen wir auf der Ayoka dann mal weg. (Die Crew auf der Ayoka wird's freuen)

Und wie geht es jetzt weiter?
Erstmal steht jetzt wieder die Ayoka auf dem Programm. Am 20.12. startet die Saison, bis dahin wird die Ayoka wieder wie jedes Jahr vorbereitet und Birgit übernimmt.
Ich werde dann erstmal wieder zu Hause sein und meine theoretischen Unterlagen regelmässig wiederholen, in der Hoffnung nicht allzu viel des Gelernten zu vergessen. Das ein oder andere Buch über Wetter und Navigation wird noch gelesen und dann wird es auch schon wieder Mai 2027 sein und die nächsten Trainings stehen an.





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